Ressourcenverteidigung beim Hund

Das Thema Ressourcenverteidigung beim Hund kann aufgrund der umfangreichen Materie nicht in einem Artikel abgehandelt werden, ein paar Aspekte möchte ich jedoch ansprechen.

Bei Lucy hat sich schnell gezeigt, dass sie Gegenstände als ihr Eigentum ansieht und diese verteidigt – das nennt man Ressourcenverteidigung. Am 3. Tag in unserem zu Hause hat sie mich fest gebissen, weil ich ihr ein Taschentuch wegnehmen wollte.

Lucys Vorgeschichte liefert wahrscheinlich die Erklärung für ihr Verhalten bzgl. Futteraggression und Ressourcenverteidigung.

Wir haben sie aus einem Hundeauffanglager, zu diesem Zeitpunkt war sie wahrscheinlich schon 5 oder 6 Monate alt. Genau wusste man das nicht, da sie als Welpe in Ungarn alleine auf der Straße gefunden wurde. Sie wurde in eine Tötungsstation gebracht und von dort von einer engagierten Hundefreundin gerettet und nach Österreich gebracht. Soviel zur Herkunft.

Ich gehe davon aus, dass sie als obdachloser Welpe, extremen Hunger hatte und um ihr Futter kämpfen musste. Daher rührt wahrscheinlich auch ihre starke Futteraggression, diesem Thema werde ich noch einen eigenen Artikel widmen.

In dem Hundeauffanglager waren ca. 30 Hunde, dort zählte das Gesetz des Stärkeren. Was es zu verteidigen gab, musste verteidigt werden, egal mit welchen Mitteln. Ich habe selbst beobachtet, wie ein Hund, der aus der selben Schüssel fressen wollte wie Lucy, sie dermaßen gebissen hat, dass sie in hohem Bogen vor Angst davongesprungen ist. Ebenso verhielt es sich mit Gegenständen, die die Hunde voreinander mit Aggression verteidigt haben. Ich höre immer wieder, dass viele Hunde aus Auffanglagern ähnliche Probleme haben.

Das bekommen wir jetzt laufend zu spüren. Ich bin mir nicht sicher, ob wir ihr Verhalten jemals ganz in den Griff bekommen werden, ich kann euch aber schildern, wie wir es geschafft haben, dass es sichtlich besser wurde.

Lucy verteidigt eigentlich fast alles: Taschentücher, Äste, Blätter, Spielzeug aller Art, alles was man fressen kann, Socken, BH-s – also eigentlich ALLES! Hat sie einen Gegenstand als ihr Eigentum beschlagnahmt, beugt sie sich mit ihrem Körper darüber, senkt den Kopf und geht in Angriffsposition, falls wir auf die dumme Idee kommen sollten hinzugreifen. Ich weiß nicht mehr wie oft wir schon von ihr gebissen wurden, wobei wir selber schuld waren, da wir das Problem nicht richtig erkannt hatten.

Ressourcenverteidigung
Ressourcenverteidigung ©pfotenkino

Also was hat geholfen? Am Anfang haben wir körperlich versucht Lucy von den Gegenständen zu trennen – geht gar nicht, da wird sie richtig aggressiv – AUA;-) Ein Hundetrainer meinte sie mit Wasser anzuspritzen würde helfen – keine Chance. Also habe ich selber einen Weg gefunden:

Ich stelle mich vor sie hin – nicht zu nah, sonst fühlt sie sich bedroht – und rufe sie zu mir. Ich habe das sicher 50-100 Mal gemacht, bis sie verstanden hat, dass sie den Gegenstand oder die Futterschüssel liegen lassen muss. Dann schicke ich sie auf ihre Decke, wenn sie dort angekommen ist, bekommt sie eine Belohnung. Danach schicke ich sie entweder zurück zum Gegenstand, oder ich entferne das corpus delicti, wenn ich merke, dass die Aggression zu groß wird.

Ich weiß, dass das Problem damit nicht gelöst ist, aber es ist ein guter Kompromiss im Zusammenleben und es wird immer besser.

Also wenn ihr auch einen Ressourcenverteidiger zu Hause habt, arbeitet weiter daran, es wird besser;-)