Probleme mit Futteraggression beim Hund

Das Thema Futteraggression beschäftigt uns, seitdem Lucy bei uns eingezogen ist. Hundetrainer-online.ch hat den Begriff meiner Meinung nach sehr treffend definiert:

Futter Aggression ist eine Form der Ressourcen Bewachung, in der ein Hund sehr defensiv wird beim Fressen, mit Drohungen (Knurren, Zähne zeigen oder gar Zähne fletschen), andere zwingt, sich zu entfernen. Dies kann auf andere Tiere, Menschen oder auf beide gerichtet sein. Das Verhalten kann sich bis zu den Leckerlis ausweiten.

Die Futteraggression ist eng mit dem Thema Ressourcenverteidigung verknüpft. Die Futteraggression kann leicht, mittel oder stark ausgeprägt sein und reicht von knurren, der körperlichen Verteidigung bis zum Beißen, sobald man in die Nähe des Futters kommt.

Wir haben leider einen Hund mit stark ausgeprägter Futteraggression. Wahrscheinlich rührt dieses Verhalten aus ihre Zeit auf der Straße und des Hundeauffanglagers. Als Welpe alleine auf der Straße zu überleben, ist hart und Lucy hat in dieser Zeit sicher sehr gehungert.

Zudem war ihre Zeit in den Hundeauffanglagern auch von Aggression geprägt, sie wurde dort laufend von anderen Hunden gebissen (als wir sie abgeholt haben, hatte sie ein Loch im Ohr:/), oder vom Futternapf weggebissen und verscheucht.

Letztendlich bei uns angekommen, zeigte sich die extrem aggressive Futterverteidigung sehr schnell, in Kombination mit territorialem Verhalten.

Im Laufe unserer Hundetrainerbegegnungen, die mittlerweile auch schon beachtlich viele sind (diesem Thema widme ich noch einen eigenen Beitrag), haben wir bzgl. der Futteraggression verschiedenste „Behandlungsmethoden“ ausprobiert bzw. empfohlen bekommen:

1 Mit Handschuh auf Besenstiel in der Futterschüssel umrühren -> kompletter Schwachsinn, damit haben wir Lucy nur noch aggressiver gemacht und es dauerte ewig um sie wieder auf ein normales Level runterzubekommen, NEIN!

2 Anschreien -> NEIN!

3 Weglocken vom Napf -> JA!

4 Wasser anspritzen -> hat sie einfach ignoriert und weitergefressen…

5 Tausch anbieten -> haha sicher, sie hat den Tausch genommen und hat genauso aggressiv reagiert wie vorher…

6 Körperlich vom Napf trennen, um ihr zu zeigen wer der Chef ist -> NEIN! Macht sie nur noch aggressiver und das Vertrauen zu uns schwindet

An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass zwischen Futteraggression aufgrund von Dominanz oder Unsicherheit und Angst unterschieden werden muss. Wir dachten lange, dass Lucy aggressives, dominantes Verhalten zeigt, es stellte sich dann aber heraus, dass sie ein sehr unsicherer Hund ist, der aufgrund von Angst oft in die Verteidigung geht.

Ich habe mich für die Nr, 3 meiner Liste entschieden, um das Problem besser in den Griff zu bekommen. Ich habe ihr durch vielmalige Wiederholungen (sicher 100 Mal) beigebracht, sich vom Napf zu trennen und zu mir zu kommen. Dann bekommt sie bei mir das Kommando !Sitz!, danach darf sie zum Napf zurück. Mittlerweile funktioniert das einwandfrei.

Grundsätzlich ändert das jedoch nichts daran, dass man den Napf leider noch immer nicht angreifen kann, wenn sie daraus frißt. Daran arbeite ich unentwegt, jedoch dauert das sehr lange, da wir mit Lucy an Ihrer Unsicherheit und dem Vertrauen zu uns arbeiten müssen. Aber wir bleiben dran und hoffen, dass sich bei Lucy irgendwann der Schalter umlegt und sie keinen Grund mehr sieht, ihr Futter verteidigen zu müssen.